AJ Surin ist Umwelt-, Verfassungs- und Menschenrechtsanwältin, Gründerin von Humanists Malaysia und eine prominente Verfechterin der Gedanken-, Gewissens- und Glaubensfreiheit in Südostasien.
Legitimität wird allzu oft als etwas betrachtet, das vom Staat verliehen wird – sei es formell (eine Registrierungsurkunde), rechtlich (eine Rechtspersönlichkeit) oder einfach durch die staatliche Anerkennung (eine formale Genehmigung). Und ohne die Erlaubnis des Staates wird den Menschen (ob leise oder lautstark) vermittelt, dass sie noch nicht existieren.
Der Humanismus hat diese Prämisse im Laufe der Geschichte stets abgelehnt.
Weltweit (insbesondere im globalen Süden) und über verschiedene Kulturen und politische Systeme hinweg ist der Schutz der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit nach wie vor sehr ungleich verteilt. Säkulare, nicht-religiöse und posttheistische Ansichten stoßen in solchen Umfeldern auf strukturelle Hindernisse, die religiösen oder mehrheitlichen Weltanschauungen nicht begegnen. Das endlose Warten auf eine offizielle Genehmigung zur Meinungsäußerung kann daher ein Klima stillschweigender Ausgrenzung schaffen.
Deshalb ist es kein Akt der Ungeduld, vor Erhalt der formellen Genehmigung zu sprechen, sondern vielmehr eine staatsbürgerliche Pflicht.
Hier zeigt sich die Bedeutung diskursiver Legitimität. Diskursiv legitime Stimmen gründen sich nicht auf formale Autorität oder institutionelle Legitimität. Vielmehr entstehen sie durch die Stärke öffentlicher Argumentation – insbesondere durch Klarheit, Kohärenz, Beweiskraft und ethische Konsistenz. Die von diesen Stimmen verwendeten Bezugspunkte – Menschenwürde, Verfassungsgrundsätze und internationale Menschenrechtsnormen – dienen dazu, eine gemeinsame Grundlage für einen sinnvollen öffentlichen Diskurs zu schaffen.
Stimmen, die sich als diskursiv legitim erwiesen haben, lassen sich daher nicht einfach ignorieren. Sie bilden die Grundlage für einen Dialog. Sie veranlassen Journalisten, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie regen Wissenschaftler zum Handeln an. Sie veranlassen Autoritäten, zu reagieren (und zu widersprechen), anstatt sie zu ignorieren. Dadurch verleiht der Argumentationsprozess selbst eine Form der Legitimation.
Dies zeigt sich exemplarisch an der Geschichte sozialer Bewegungen, die die Gesellschaft nachhaltig prägten – Bewegungen für Bürgerrechte, Frauenrechte, Glaubensfreiheit und Meinungsfreiheit –, die sich typischerweise aus Gruppen zusammensetzten, die keine formale Legitimität besaßen. Diese Gruppen erlangten ihre Legitimität nicht von vornherein, sondern durch ihr beharrliches, prinzipiengeleitetes Engagement in der Öffentlichkeit.
Die Registrierung muss nicht zwangsläufig administrativ erfolgen. In manchen Ländern kann sie aufgrund der Ideologie des Antragstellers verzögert oder verweigert werden. In solchen Fällen bedeutet die Forderung nach einer nachträglichen Interessenvertretung, dass Entscheidungsträger darüber bestimmen, wer am öffentlichen Dialog teilnehmen darf. Für Humanisten, die rationales Denken, Ethik und Autonomie hochhalten, widerspricht ein solches Schweigen ihren Werten.
Daher kann das offene Auftreten als humanistische Organisation ohne Registrierung eine Form des gewaltlosen zivilen Ungehorsams darstellen. Es geht nicht darum, das Gesetz zu brechen oder Aufsehen zu erregen, sondern darum, sich gegen die Vorstellung zu wehren, dass der Wert eines Menschen nicht von einem Bürokraten bestimmt werden kann. Es sendet auch die Botschaft, dass die Teilnahme an der öffentlichen Debatte nicht von einer Genehmigung abhängt. Vielmehr geht es darum, sich für Menschenrechte einzusetzen und die eigenen Ansichten mit Vernunft zu untermauern, unabhängig davon, ob man als legitimer Teilnehmer anerkannt wird oder nicht.
Eine solche Haltung steht im Einklang mit vielen der zentralen Grundsätze der Minimalerklärung zum Humanismus von Humanists International. Zu diesen Grundsätzen gehören die Achtung der Menschenwürde, das Vertrauen auf Vernunft und Mitgefühl sowie die Verteidigung der universellen Menschenrechte. Die Existenz dieser Grundsätze ist unerheblich für ihre Umsetzbarkeit. Entscheidend ist, dass sie kohärent formuliert werden und dass sich die Befürworter mutig für sie einsetzen.
Es versteht sich von selbst, dass eine solche Haltung Verantwortung mit sich bringt. Wenn Humanisten keine Befugnis zur Eingliederung haben, müssen sie sich in ihren Äußerungen sorgfältig und präzise ausdrücken. Ihre Sprache muss wohlüberlegt sein, und ihre Behauptungen müssen belegt werden. Doch gerade diese Einschränkungen verleihen humanistischen Positionen oft größere Glaubwürdigkeit. Indem sie sicherstellen, dass ihre Interessenvertretung auf Verdiensten und nicht auf Privilegien beruht, können Humanisten integer handeln.
Kritikpunkte könnten lauten: „Wen vertreten Sie?“ Die Antwort darauf ist einfach: Humanisten setzen sich für Ideen ein, die auf den Gemeinsamkeiten der Menschheit basieren.
Für gültige Argumente ist keine Genehmigung erforderlich, um angehört zu werden.
Letztendlich zeigt sich Legitimität in der Reaktion anderer. Dazu gehört, wenn Menschen sich ernsthaft mit neuen Ideen auseinandersetzen. Wenn Schweigen keinen Platz mehr hat. Wenn sich der Gesprächsverlauf verändert.
Der Humanismus wurde schon immer auf diese Weise präsentiert: nicht indem man um Erlaubnis bat, in die öffentliche Debatte einbezogen zu werden, sondern indem man so deutlich machte, dass die Welt hinhören musste.
In einer Welt, in der die Gewissensfreiheit weiterhin bedroht ist, sind nicht registrierte humanistische Stimmen kein Problem, das es zu lösen gilt. Sie erinnern uns an eine tiefere Wahrheit: Ideen, die auf Vernunft, Würde und Menschenrechten beruhen, warten nicht, bis sie an der Reihe sind.