
Fabrizio E. López De Pomar
Klinische Psychologin und Psychotherapieberaterin mit Sitz in Lima, Peru. Mitglied der Peruanische Vereinigung der Atheisten (APERAT) und Kooperationspartner von Humanists International bei Initiativen zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Unterstützung säkularer Werte.
Peru verdeutlicht diese Kluft: ein überwiegend katholisches Land, in dem eine wachsende säkulare Bevölkerung die schwierigsten Momente des Lebens ohne gemeinschaftliche Unterstützung bewältigt. Die Peruanische Vereinigung der Atheisten (APERAT), ein Ableger von Humanists International, hat Perus erstes humanistisches psychologisches Beratungsprogramm ins Leben gerufen – über 100 Stunden kostenlose Psychotherapie speziell für nicht-religiöse Menschen und Familien.
Die Bedeutung dieser Erkenntnis liegt in den wissenschaftlichen Ergebnissen: Säkulare Menschen sind nicht psychisch labil. Eine Studie von Baker und Kollegen aus dem Jahr 2018 ergab, dass Atheisten eine bessere körperliche und psychische Gesundheit aufweisen als viele religiöse Gruppen und weniger Symptome von Angstzuständen, Paranoia und zwanghaftem Denken zeigen. Die zentrale Erkenntnis, die sich aus zahlreichen Studien ergibt, ist einfach, aber kontraintuitiv: Entscheidend ist nicht, ob die eigene Weltanschauung religiös oder säkular ist, sondern ob sie in sich schlüssig ist. Menschen mit einer gefestigten atheistischen Identität – ähnlich wie überzeugte Gläubige – weisen eine höhere emotionale Stabilität auf als jene mit uneindeutigen oder widersprüchlichen Überzeugungen. Klarheit schützt. Unsicherheit ist der Stressfaktor.
Dieses Muster wiederholt sich in der Forschung: Institutionelle Zugehörigkeit fördert das Wohlbefinden stärker als dogmatische Inhalte. Menschen, die an Gott glauben, aber keiner religiösen Gemeinschaft angehören, weisen schlechtere Werte in Bezug auf ihre psychische Gesundheit auf als überzeugte Gläubige oder überzeugte Atheisten. Säkulare Menschen hingegen schöpfen aktiv Sinn – sie gestalten ihn durch Beziehungen, kreative Arbeit und gesellschaftliches Engagement, anstatt ihn von Traditionen zu übernehmen. Dies ist kein Mangel, sondern eine Quelle echter Selbstbestimmung. Die eigentlichen Herausforderungen, denen sich nicht-religiöse Menschen gegenübersehen, sind sozialer, nicht existenzieller Natur: Stigmatisierung in religiösen Gesellschaften, familiäre Spannungen, das Fehlen vorgefertigter Trauerrituale. Diese Probleme sind Folgen von Ausgrenzung, nicht der säkularen Identität selbst.
Das Besondere an APERATs Ansatz ist, dass er nicht bei der Therapie aufhört. Neben der Beratung organisierten sie Perus erstes humanistisches Gemeindetreffen – ein virtuelles Ereignis Konzipiert für echte menschliche Begegnung. Warum ist das wichtig? Weil institutionelle Zugehörigkeit, nicht isolierte Rationalität, das psychische Wohlbefinden prägt. Religiöse Traditionen haben dies längst erkannt: Sie verbanden Glauben mit Gemeinschaft, Ritualen und sozialer Identität. Humanistische Bewegungen lernen, es ihnen gleichzutun. So sieht zeitgenössischer Humanismus aus: nicht abstrakte Philosophie, sondern gelebte Fürsorge.
Forschungen bestätigen, dass nicht-religiöse Menschen nicht existenziell benachteiligt sind. Mit psychologischer, gemeinschaftlicher und institutioneller Unterstützung blühen säkulare Menschen auf – sie finden Sinn, leben ethisch, sind Teil von Gemeinschaften und bewältigen Verluste. Was fehlte, war die Infrastruktur. APERAT baut diese Infrastruktur auf. Wir verteidigen nicht nur säkulare Ideen, wir setzen sie in die Tat um. Wir hören zu, kümmern uns und schaffen Raum, damit Menschen ohne Glauben, aber mit Würde, Gemeinschaft und Hoffnung aufblühen können. Das bedeutet, Humanismus zu leben: nicht als Abstraktion, sondern als gelebtes Mitgefühl.
Gemeinsam können wir noch mehr tun, um humanistische Werte zu fördern und Menschenrechte zu verteidigen. Treten Sie Humanists International als Mitgliedsorganisation bei oder werden Sie selbst Einzelunterstützer.